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Folded hands Gwendolyn Masin

Der Raum zwischen den Tönen - XV

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«Behandle andere nicht, wie du möchtest, dass sie dich behandeln. Ihr Geschmack könnte nicht derselbe sein.» - George Bernard Shaw

Das neue Jahr hat begonnen! Zeit, darüber nachzudenken, warum wir das tun, was wir tun.
Meinem festen Vorsatz gehorchend, über Weihnachten einmal nicht zu arbeiten, dachte ich über meine Berufung nach. Während meine mühsam erarbeitete Work-Life-Balance angesichts von Familientreffen und einer nicht enden wollenden Abfolge von Festessen immer stärker ins Wanken geriet, ertappte ich mich dabei, wie ich in Gedanken komponierte, schrieb und übte. Das liegt nicht etwa daran, dass mich die Menschen um mich herum nicht interessieren (das tun sie durchaus!), sondern daran, dass ich die Kunst ebenso spannend finde.

Der folgende Essay entstand vor allem im Dunkeln, als ich darauf wartete, einschlafen zu können. Ich habe ihn «On Honesty and Art» überschrieben und würde mich freuen zu hören, wie Sie darüber denken.

Lesen Sie den Essay hier.

Die Geschichte von Frantičeks erster Kugel Speiseeis

Apropos darüber denken… Im Nachgang zu einer E-Mail an Sie Ende letzten Jahres erhielt ich eine wunderbare Antwort von einem meiner Lieblingskünstler, den ich gleichzeitig zu meinen liebsten Freunden zähle: Frantiček Klossner. Mit seiner Erlaubnis leite ich seinen Text an Sie weiter.

From: Frantiček Klossner
Subject: Re: «The Story of Frantiček's first scoop of ice cream»
Date: 20 December 2021
To: Gwendolyn Masin

«Wer war jemals wirklich glücklich
mit nur einer Kugel Eis statt zwei?»

Frantičeks Geschichte

Im Alter von 7 Jahren
begegnete ich
meiner ersten Kugel Eis !

Auf der Schulreise
entstand ein Gruppenzwang ...
Am Bahnhof kauften alle Mütter
ihren Kindern ein Eis...
da fragte mich meine Mutter
ganz leise und geheimnisvoll:
"möchtest du denn auch so eins ?

aber ich wusste ja,
dass wir kein Geld für sowas haben
unsere Familie war arm nicht reich ...
Wohlerzogen bin ich ausgewichen:
"Ach nein, ist doch nicht nötig, nein nein"
Sie: "Doch doch, heut ist eine Ausnahme,
ein ganz besonderer Tag, die erste Schulreise ...
Alle Kinder haben jetzt ein Eis...
ich kaufe dir jetzt auch eins !
welche Sorte willst du denn?
Vanille, Erdbeer oder vielleicht Pistache?"
Völlig ratlos guckte ich sie fragend an ...
Woher hätt ich diese Sorten kennen sollen?

Da war sie schon am Kiosk ...
und steht plötzlich stolz vor mir
in der Hand zwei Cornets
mit je einer Kugel Pistache ...

Ich mustere das Ding ...
bin überrascht und glücklich
und staune, dass meine Mutter
plötzlich so spendabel ist ...

Vorsichtig berühr ichs mit der Zunge
und bin komplett enttäuscht !
Es schmeckt grässlich ...
aber ich reiss mich zusammen
und weiss, dass meine Mutter
viel Geld dafür gegeben hat...

Ich zwinge mich, das Zeugs zu lieben,
versuche zu lächeln und glücklich auszusehen !
doch Pistache ist mächtiger als ich:
Die Kehle schnürt sich mir zusammen
die Speiseröhre legt den Rückwärtsgang ein
ich weiss, ich muss jetzt gleich erbrechen ...

doch ich versuche weiter zu strahlen
und kindlich dankbar auszusehen,
entzückt am Eis zu schlecken !
da kommt auch schon
der erste Schwall...
ich kotze über mein Eis
auf den Bahnsteig ...

Die Mutter reisst mir
das teure Ding aus der Hand
und wirft es in einen Mülleimer ...

Danach gabs nie mehr Eis !
auch keine zweite Kugel ... ;-)

Gwendolyn's Bridge Club

Bridgeclub No 1 2 Gwendolyn Masin Kunst: Christoph N. Fuhrer

Ich freue mich darauf, Sie am Freitag, den 18. Februar in der Villa Stucki in Bern zu einem Abend voller Musik, Austausch und ein Gaumentanz begrüssen zu dürfen.

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Weisses loch 3 by Martin Moell Gwendolyn Masin Foto: Martin Möll

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Tage voller Liebe und Licht wünscht
Gwendolyn