Back to newsletter

MG 7095 2 Gwendolyn Masin

Der Raum zwischen den Tönen - XXVI

See English version

«Die Kluft, die in der heutigen Welt zwischen denjenigen zu spüren ist, die auf den Zusammenfluss neurowissenschaftlicher und historischer Daten mit anderen Informationen über unsere Vergangenheit blicken, und denjenigen, die einfach überlieferte Weisheiten als Leitfaden für ihr Leben akzeptieren, ist real und tiefgreifend. Und doch ist diese Kluft vielleicht nicht so tief, wie man denken könnte. Scheinbar sind wir alle Teil derselben moralischen Netzwerke und Systeme und reagieren ähnlich auf ähnliche Themen. Es ist demnach nicht unser Verhalten, das uns unterscheidet, sondern unsere Theorien darüber, warum wir so und nicht anders reagieren. Die Erkenntnis, dass unsere Theorien die Quelle all unserer Konflikte sind, könnte einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen miteinander auskommen.»
— Michael S. Gazzaniga, amerikanischer Neurowissenschaftler, 1939

Nur das Tüpfelchen auf dem I? – gendern oder nicht gendern, das ist hier die Frage! (Blog-Artikel, Lesezeit: 3 Minuten)

Gwendolyn Masin by Balazs Borocz DSC 2429 Gwendolyn Masin Foto: Balázs Böröcz

Als mein Team und ich kürzlich an Texten für verschiedene Projekte arbeiteten, bat ich eine junge Frau darum, Teile davon Korrektur zu lesen. Vieles von dem, was ich schreibe, entsteht zunächst in englischer Sprache. Erst später werden meine Texte in andere Sprachen übersetzt, zum Beispiel ins Deutsche, in dem manche Substantive gegendert werden, um auszudrücken, dass alle biologischen Geschlechter angesprochen sind. Deshalb bat ich die junge Frau um Unterstützung in dieser Angelegenheit: Ich wollte sicherstellen, dass wir in unseren Texten eine inklusive Sprache verwenden.

Seit über 60 Jahren befindet sich die deutsche Sprache – und mit ihr die deutsche Kultur – in einem Prozess. In den 1960er Jahren wünschten sich Frauen mehr Sichtbarkeit und begannen damit, einen Schrägstrich einzusetzen, der anzeigen sollte, dass sowohl Männer als auch Frauen einen Beruf ausüben können. Aus Lehrern wurden Lehrer/innen. Ab dem Ende der 1970er boomten die feministische Linguistik und das Konzept der gendergerechten Sprache. In den 1990ern wurde das «*» zum festen Bestandteil von Wörtern, die Trans* Personen bezeichnen. Im Deutschen heisst das auch als Asterisk bekannte Schriftzeichen Genderstern. Inzwischen wird immer häufiger ein Doppelpunkt eingesetzt: Lehrer:in. In dieser Schreibweise wird das Wort von Screenreadern für Sehbehinderte oder Blinde mit einer kurzen Pause vorgelesen, weshalb diese Form des Genderns als besonders inklusiv gilt.

Die junge Frau machte sich also daran, meinen Text Korrektur zu lesen. Dann ging der Text an fünf meiner Vertrauenspersonen. Zufällig waren alle fünf weisse Männer über 50. Und alle fünf teilten mir mit, dass der Text zwar inhaltlich gelungen sei, sich aber schwer lesen lasse. Als ich dieses Feedback an die junge Frau zurückgab, reagierte sie zornig und sagte: „Die Meinung alter weisser Männer zu diesem Thema interessiert mich überhaupt nicht. Viele Menschen haben sich über dieses Thema jede Menge Gedanken gemacht.»

Ich fühlte mich von ihrer Reaktion im Namen meiner Vertrauten angegriffen. Doch sie liess mir auch keine Ruhe. Ich wunderte mich darüber, wie schnell die junge Frau jemanden und den Wert seiner Meinung in Bausch und Bogen ablehnte, ohne über die Gründe dafür nachzudenken. Und wie konnte sie eine komplette Bevölkerungsgruppe pauschal in die chauvinistische Schublade stecken? Anscheinend ist Altersdiskriminierung das letzte gesellschaftlich akzeptable Vorurteil. Andererseits: Was bedeutet schon eine etwas sperrigere Satzkonstruktion, wenn dafür mehr als 50 % der Weltbevölkerung grössere Sichtbarkeit erhält? Welchen Preis sind wir für die Gleichberechtigung zu zahlen bereit?

Lesen Sie den kompletten Text hier.

Empathie (Blog-Artikel, Lesezeit: 7 Minuten)

2 Urs Peter Schneider at a Gwendolyns Bridge Club Gathering in April2022 by Claudia Rauber Gwendolyn Masin Urs Peter Schneider fotografiert von Claudia Rauber an einer Soiree des Gwendolyn's Bridge Club

„So spielt man keinen Mozart.“

Am Konservatorium von Bern wischte sich Professor Urs Peter Schneider den Schweiss von den Augenbrauen und ging die Stufen hinab, die vom Podium zu seiner Umkleide hinter der Bühne führen. Zuvor hatte er ein grandioses Solo-Klavierkonzert vorgetragen, das – sowohl in seiner Länge als auch in seiner Komplexität – ursprünglich ein Paradestück für Künstler wie Liszt und Paganini darstellte. Er schaltete seinen Wasserkessel ein und bereitete sich aus alter Gewohnheit eine Tasse Instant-Kaffee zu. Wie immer, war seine Programmauswahl auch in diesem Konzert anspruchsvoll und reichte von Bach über Bartok und Schubert bis hin zu Schneider.

Die Tür ging auf, und die Direktorin des Konservatoriums kam in die Umkleide. „So spielt man keinen Mozart!“, rief sie.

U.P. sah völlig unbeeindruckt von seiner Tasse Kaffee auf und antwortete: „Wie denn dann? Wie denn dann?“ – Wütend und sprachlos machte sie auf dem Absatz kehrt und ging, wobei sie eine sinnvolle Antwort ebenso vermissen liess wie Freundlichkeit und Konstruktivität in ihrer Kritik.

Lesen Sie den kompletten Text hier.

Cocktail für die Musen

MG 6897 Gwendolyn Masin Foto: Maximilian Lederer

Im März dieses Jahres brachten wir im Rahmen meiner Programmserie «Cocktail für die Musen» im Casino Bern eine einzigartige Aufführung von Saint-Saëns‘ «Karneval der Tiere» auf die Bühne. Gemeinsam mit Musikern verschiedener Ensembles wie der Camerata Bern und dem Berner Symphonieorchester sowie Kindern des Konsi Bern (Berner Musikschule und Konservatorium) erwachte eines der beliebtesten musikalischen Werke für Kinder zum Leben. Droujelub Yanakiew übernahm eine beratende Rolle bei der Produktion, Simon Jäggi schrieb den schweizerdeutschen Text und Dominique Jann spielte die Rolle des Vaters. Hier finden Sie Fotos von Maximilian Lederer.

Werfen Sie auch einen Blick auf die Fotos früherer Aufführungen:

Cocktail für die Musen Nr.1 mit Andreas Schaerer
Cocktail für die Musen Nr.2 mit Yilian Cañizares
Cocktail für die Musen Nr.3 West Side Story

MG 7035 Gwendolyn Masin Foto: Maximilian Lederer

MG 7105 Gwendolyn Masin Foto: Maximilian Lederer

MG 6800 Gwendolyn Masin Foto: Maximilian Lederer

MG 7433 Gwendolyn Masin Foto: Maximilian Lederer

Mäzenatentum

Topic Press allg Gwendolyn Masin

Ich möchte die Gemeinschaft, das Verständnis und die Offenheit unter den Musikliebhabern überall fördern. Meine Arbeit ist darauf ausgerichtet, dies zu fördern, und Ihr Beitrag gibt dem Ganzen noch mehr Sinn und Dimension.

Ihre Unterstützung gibt mir Mut und Motivation, weiterzumachen, nie mit dem Forschen aufzuhören, der ewige Schüler zu bleiben und zu teilen, zu teilen, zu teilen. DANKE!

> Unterstützen Sie meine Arbeit